Verantwortungsvolles Spielen

Glücksspiel soll Unterhaltung sein – nicht mehr. Hier finden Sie Informationen, Selbsttests und Hilfsangebote, falls das Spielen zum Problem wird.

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Die BZgA-Telefonberatung ist kostenlos, anonym und ohne Anmeldung erreichbar. Geschulte Berater helfen Ihnen weiter – auch wenn Sie noch unsicher sind, ob Sie ein Problem haben.

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Montag bis Donnerstag: 10–22 Uhr | Freitag bis Sonntag: 10–18 Uhr

Wann Spielen zum Problem wird

Die Grenze zwischen Unterhaltung und problematischem Spielen ist oft fließend. Glücksspiel wird dann zum Problem, wenn es andere Lebensbereiche negativ beeinflusst – Finanzen, Beziehungen, Arbeit oder die eigene Gesundheit.

Pathologisches Spielen (ICD-10: F63.0) ist eine anerkannte psychische Störung. Das bedeutet: Es handelt sich nicht um Charakterschwäche oder mangelnde Disziplin, sondern um eine behandelbare Erkrankung.

Warnzeichen erkennen

Die folgenden Anzeichen können auf problematisches Spielverhalten hindeuten. Nicht jedes einzelne Zeichen bedeutet gleich Sucht – aber je mehr zutreffen, desto wichtiger ist es, ehrlich mit sich selbst zu sein.

Kontrollverlust: Sie spielen länger oder setzen mehr, als Sie sich vorgenommen haben. Aufhören fällt schwer.

Gedankenkreisen: Auch wenn Sie nicht spielen, denken Sie ständig ans Spielen – planen die nächste Session oder grübeln über vergangene Einsätze.

Toleranzentwicklung: Sie brauchen höhere Einsätze oder längere Spielzeiten, um denselben Kick zu erleben wie früher.

Verluste nachjagen: Nach Verlusten spielen Sie weiter, um das Geld zurückzugewinnen. Das Motto „Einmal noch" kennen Sie gut.

Verheimlichen: Sie verbergen Ihr Spielverhalten vor Familie oder Freunden, lügen über Verluste oder Zeit am Bildschirm.

Vernachlässigung: Arbeit, Beziehungen, Hobbys oder die eigene Gesundheit leiden unter dem Spielen.

Finanzielle Probleme: Sie leihen sich Geld zum Spielen, verkaufen Besitz oder geraten in Schulden.

Unruhe beim Aufhören: Wenn Sie nicht spielen können, werden Sie gereizt, unruhig oder niedergeschlagen.

Selbsttest: Wie steht es um Ihr Spielverhalten?

Dieser kurze Test ersetzt keine professionelle Diagnose, kann aber einen ersten Anhaltspunkt geben. Beantworten Sie die Fragen ehrlich – Sie müssen das Ergebnis niemandem zeigen.

Haben Sie in den letzten 12 Monaten...

  1. ...mehr Geld verspielt, als Sie sich eigentlich leisten konnten?
  2. ...versucht, Verluste durch weiteres Spielen auszugleichen?
  3. ...sich Geld geliehen oder etwas verkauft, um spielen zu können?
  4. ...das Gefühl gehabt, dass Ihr Spielverhalten ein Problem sein könnte?
  5. ...körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Verdauungsprobleme durch das Spielen erlebt?
  6. ...Kritik von anderen an Ihrem Spielverhalten gehört – oder selbst Schuldgefühle gehabt?
  7. ...finanzielle Probleme für sich oder Ihren Haushalt durch das Spielen verursacht?

Auswertung: Wenn Sie auch nur eine dieser Fragen mit Ja beantworten, sollten Sie Ihr Spielverhalten überdenken. Bei mehreren Ja-Antworten empfehlen wir dringend, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen – kostenlos und anonym über die unten aufgeführten Stellen.

Regeln für kontrolliertes Spielen

Falls Sie weiterhin spielen möchten, helfen diese Grundregeln dabei, die Kontrolle zu behalten. Wichtig: Wenn Sie merken, dass Sie diese Regeln wiederholt brechen, ist das ein Warnsignal.

1

Budget festlegen

Bestimmen Sie vorher, wie viel Sie maximal verlieren können – und halten Sie sich daran. Spielgeld ist Unterhaltungsgeld, nicht Haushaltsgeld.

2

Zeitlimit setzen

Legen Sie fest, wie lange Sie spielen. Nutzen Sie einen Timer. Wenn die Zeit um ist, hören Sie auf – auch bei Gewinn.

3

Keine Kredite

Spielen Sie nie mit geliehenem Geld. Keine Kredite, keine Überziehung, kein „Ich zahl's nächsten Monat zurück".

4

Verluste akzeptieren

Verluste gehören zum Glücksspiel. Jagen Sie ihnen nicht hinterher. Der Versuch, Verluste aufzuholen, führt meist zu größeren Verlusten.

5

Pausen einlegen

Spielen Sie nicht täglich. Regelmäßige spielfreie Tage helfen, die Perspektive zu behalten.

6

Nüchtern bleiben

Spielen Sie nicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Beides beeinträchtigt die Urteilsfähigkeit und Impulskontrolle.

„Der sicherste Weg, im Casino zu gewinnen, ist, das Casino zu besitzen." – Dieser alte Spruch erinnert daran: Langfristig gewinnt immer die Bank. Spielen Sie nur mit Geld, dessen Verlust Sie verschmerzen können.

Schutzmaßnahmen in Online Casinos

Seriöse Anbieter bieten verschiedene Tools zum Selbstschutz an. Nutzen Sie diese aktiv – auch wenn Sie (noch) kein Problem haben.

Maßnahme Beschreibung Empfehlung
Einzahlungslimit Maximalbetrag, den Sie pro Tag/Woche/Monat einzahlen können Immer setzen – orientiert am Unterhaltungsbudget
Verlustlimit Maximaler Verlust pro Zeitraum, danach wird das Konto gesperrt Sinnvolle Ergänzung zum Einzahlungslimit
Sitzungslimit Maximale Spielzeit pro Session, danach automatische Abmeldung Hilfreich gegen Zeitverlust
Reality Check Regelmäßige Benachrichtigung über Spielzeit und Bilanz Falls verfügbar aktivieren
Spielpause Temporäre Kontosperre (24h bis mehrere Wochen) Nutzen bei Unsicherheit oder nach Verlusten
Selbstsperre Langfristige oder permanente Kontosperre Bei erkanntem Problem – lieber früher als später

Hinweis zu Casinos ohne Verifizierung

Bei Offshore-Casinos ohne deutsche Lizenz fehlen oft standardisierte Schutzmechanismen. OASIS-Sperren greifen dort nicht. Die Verantwortung für Limits liegt stärker bei Ihnen selbst.

Wenn Sie merken, dass Sie die Kontrolle verlieren, ist eine Pause oder ein Wechsel zu einem regulierten Anbieter mit strengeren Schutzmaßnahmen möglicherweise die bessere Wahl.

Selbstsperre: So funktioniert es

Eine Selbstsperre ist kein Zeichen von Schwäche – sondern eine bewusste Entscheidung, die Kontrolle zurückzugewinnen. Sie können sich auf verschiedenen Wegen sperren lassen.

1

OASIS-Sperre (deutsche Lizenz)

Bei allen deutschen lizenzierten Anbietern können Sie eine bundesweite Sperre beantragen. Diese wird im zentralen OASIS-System hinterlegt und gilt für alle angeschlossenen Casinos, Sportwetten und Spielhallen. Mindestdauer: 3 Monate.

2

Direktsperre beim Casino

Bei Offshore-Anbietern wenden Sie sich direkt an den Support. Fordern Sie eine Kontosperre per E-Mail an – am besten schriftlich, damit Sie einen Nachweis haben. Seriöse Anbieter setzen dies innerhalb von 24 Stunden um.

3

Zahlungswege blockieren

Sperren Sie parallel die Zahlungsmethoden: Kreditkartenlimits für Glücksspiel bei der Bank einrichten, E-Wallet-Konten schließen, Crypto-Zugänge einfrieren. Je mehr Hürden, desto besser.

4

Software-Blocker nutzen

Programme wie Gamban, BetBlocker oder GamStop blockieren den Zugang zu Glücksspielseiten auf allen Ihren Geräten. Manche sind kostenlos, andere kostenpflichtig – aber eine sinnvolle Investition.

Hilfsangebote in Deutschland

Alle folgenden Angebote sind vertraulich. Viele sind kostenlos und anonym nutzbar. Der erste Schritt – das Annehmen von Hilfe – ist oft der schwerste, aber auch der wichtigste.

BZgA-Telefonberatung
Hotline

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet kostenlose und anonyme Beratung. Geschulte Berater helfen bei allen Fragen rund um Glücksspiel.

Caritas Suchtberatung
Beratungsstelle

Persönliche Beratung in über 300 Standorten bundesweit. Auch Online-Beratung verfügbar. Kostenlos, vertraulich und unabhängig von Konfession.

Diakonie Suchthilfe
Beratungsstelle

Evangelische Suchtberatung mit Standorten in ganz Deutschland. Bietet ambulante Beratung, Gruppenangebote und Vermittlung in stationäre Therapie.

Gamblers Anonymous
Selbsthilfegruppe

Selbsthilfegruppen nach dem 12-Schritte-Programm. Treffen mit anderen Betroffenen – online und vor Ort. Anonym, kostenlos, ohne Anmeldung.

Spielsucht-Therapie.de
Therapievermittlung

Informationsportal mit Therapeutensuche. Hilft bei der Suche nach ambulanter oder stationärer Therapie in Ihrer Nähe.

Automatisch Verloren
Angehörigen-Hilfe

Speziell für Angehörige von Spielsüchtigen. Informationen, Austausch und Unterstützung für Partner, Familie und Freunde.

Hinweise für Angehörige

Wenn jemand in Ihrem Umfeld ein Glücksspielproblem hat, sind Sie mitbetroffen – auch wenn Sie selbst nicht spielen. Hier einige Empfehlungen:

A

Nicht vertuschen

Übernehmen Sie keine Schulden und decken Sie das Spielverhalten nicht. Das verlängert das Problem nur.

B

Gespräch suchen

Sprechen Sie Ihre Beobachtungen an – ohne Vorwürfe, aber klar. Wählen Sie einen ruhigen Moment.

C

Finanzen schützen

Sichern Sie gemeinsame Konten und Vermögenswerte. Das ist keine Strafe, sondern Schutz für alle.

D

Selbst Hilfe holen

Beratungsstellen unterstützen auch Angehörige. Sie müssen das nicht alleine durchstehen.

Der erste Schritt ist der schwierigste

Wenn Sie bis hierher gelesen haben und sich in einigen Punkten wiedererkennen: Das ist bereits ein wichtiger Schritt. Holen Sie sich Unterstützung – heute noch.